Es gibt eine Frage, die in Führungsgesprächen zuverlässig für Stille sorgt: Wer in Ihrem Unternehmen ist dafür verantwortlich, dass KI Geschäftswert erzeugt? Nicht dafür, dass die Systeme laufen – das ist die IT. Sondern dafür, dass sich am Ende ein Ergebnis zeigt.
Meist gibt es eine ehrliche Antwort: niemand. Es gibt eine interessierte IT-Leitung, eine wohlwollende Geschäftsleitung, einige engagierte Personen in Fachbereichen – aber keine Person, in deren Zielen das Thema steht.
Warum die IT es nicht sein kann
Die IT kann Systeme bereitstellen, Sicherheit gewährleisten und Integration liefern. Sie kann nicht entscheiden, welcher Prozess im Verkauf verändert wird, ob eine Rolle im Kundendienst neu zugeschnitten wird oder welcher Qualitätsmassstab für eine automatisierte Antwort gilt. Das sind fachliche Entscheidungen, und sie werden nur getroffen, wenn eine fachliche Führungskraft sie trifft.
Liegt das Thema allein bei der IT, entstehen technisch saubere Lösungen für Probleme, die niemand priorisiert hat. Sie funktionieren und werden nicht benutzt.
Ein Vorhaben ohne Eigentümer im Fachbereich ist ein Experiment. Experimente überleben den nächsten Budgetzyklus selten.
Ein Modell, das funktioniert
Bewährt hat sich eine Aufteilung auf drei Rollen, die in mittelgrossen Unternehmen ohne neue Stellen auskommt.
- Eine Person in der Geschäftsleitung, die das Thema verantwortet – nicht operativ, sondern in Priorisierung, Budget und Kommunikation. In den meisten Fällen ist das nicht der CIO.
- Pro Vorhaben eine fachliche Eigentümerin, in deren Zielvereinbarung das Ergebnis steht. Ohne diesen Punkt beginnt kein Vorhaben.
- Eine kleine, benannte Stelle für Governance und Befähigung – oft eine Person mit dreissig Prozent ihrer Zeit –, an die sich alle wenden können und die den Überblick über eingesetzte Systeme führt.
Drei Rollen, keine neue Abteilung. Was es braucht, ist Verbindlichkeit, nicht Struktur.
Der Fehler, den ich am häufigsten sehe
Ein Lenkungsausschuss mit zwölf Personen, der alle sechs Wochen tagt. Er erzeugt Berichte und Zufriedenheit, aber keine Entscheidungen, weil niemand darin persönlich für ein Ergebnis geradesteht. Wo alle verantwortlich sind, ist es niemand.
Ein Ausschuss ist sinnvoll, um Prioritäten abzustimmen. Er ersetzt keine benannte Eigentümerschaft je Vorhaben.
Der Test für Ihr Unternehmen
Fragen Sie in der nächsten Geschäftsleitungssitzung, in wessen Zielvereinbarung ein KI-bezogenes Ergebnis steht. Wenn die Antwort „in keiner“ lautet, wissen Sie, warum die Vorhaben nicht vorankommen – und Sie kennen zugleich den nächsten Schritt.